Import · Sorgfaltspflichten
Lieferkettengesetz und Roboter aus China.Was Konzerne 2026 prüfen müssen.
Das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) gilt seit dem 1. Januar 2024 für Unternehmen mit in der Regel mindestens 1.000 Arbeitnehmern im Inland (§ 1 Abs. 1). Ein neuer Roboterhersteller aus China ist ein neuer unmittelbarer Zulieferer und gehört in die Risikoanalyse nach § 5. Die geplante Entschärfung des LkSG war nach unserer Recherche Stand Oktober 2026 noch nicht verkündet. Die CSDDD gilt nach der Änderung durch Richtlinie (EU) 2026/470 ab dem 26. Juli 2029 für Unternehmen mit mehr als 5.000 Beschäftigten. Die EU-Zwangsarbeitsverordnung gilt ab dem 14. Dezember 2027. Allgemeine Information, keine Rechtsberatung.
Kurz beantwortet · Stand Oktober 2026
01 Überblick
Drei Regelwerke und wann sie gelten.
| Regelwerk | Wen es betrifft | Geltung | Kern für den Roboterkauf |
|---|---|---|---|
| Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) | Unternehmen mit Sitz oder Zweigniederlassung in Deutschland und in der Regel mindestens 1.000 Arbeitnehmern im Inland, Konzernmitarbeiter zählen bei der Obergesellschaft mit (§ 1 Abs. 3) | Seit 1. Januar 2023, Schwelle 1.000 seit 1. Januar 2024 | Risikoanalyse, Prävention, Abhilfe, Beschwerdeverfahren, Dokumentation |
| Richtlinie (EU) 2024/1760 (CSDDD) in der Fassung der Richtlinie (EU) 2026/470 | Unternehmen mit durchschnittlich mehr als 5.000 Beschäftigten und mehr als 1,5 Mrd. Euro weltweitem Nettoumsatz | Umsetzung bis 26. Juli 2028, Anwendung ab 26. Juli 2029 | Sorgfaltspflichten in der Aktivitätskette, nationale Umsetzung steht noch aus |
| Verordnung (EU) 2024/3015 (Zwangsarbeitsverordnung) | Alle Wirtschaftsakteure, unabhängig von der Größe | Ab 14. Dezember 2027 (Art. 39) | Verbot, in Zwangsarbeit hergestellte Produkte in Verkehr zu bringen oder auszuführen (Art. 3) |
02 LkSG-Stand
LkSG Stand Oktober 2026: was gilt und was offen ist.
Das Bundeskabinett hat im September 2025 einen Entwurf zur Änderung des LkSG beschlossen. Die jährliche Berichtspflicht nach § 10 Abs. 2 soll entfallen, Bußgelder sollen nur noch bei schweren Verstößen drohen. Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) prüft die Berichte bereits seit Herbst 2025 nicht mehr. Die erste Lesung im Bundestag fand im Januar 2026 statt. Eine Verkündung des Änderungsgesetzes konnten wir bis Anfang Oktober 2026 nicht feststellen. Prüfen Sie den aktuellen Stand vor jeder Entscheidung.
Wichtig für den Einkauf: Die Kernpflichten bleiben nach allen bekannten Entwürfen bestehen. Dazu gehören das Risikomanagement nach § 4, die Risikoanalyse nach § 5, Präventionsmaßnahmen nach § 6, Abhilfe nach § 7, das Beschwerdeverfahren nach § 8 und die interne Dokumentation, die nach § 10 Abs. 1 sieben Jahre aufzubewahren ist.
Im geltenden Text kann das BAFA Geldbußen bis 800.000 Euro verhängen. Bei Unternehmen mit mehr als 400 Mio. Euro durchschnittlichem Jahresumsatz sind für bestimmte Verstöße bis zu 2 % des Jahresumsatzes möglich (§ 24 Abs. 2 und 3). Nach § 22 können Unternehmen nach einem rechtskräftigen Bußgeld ab 175.000 Euro bis zu drei Jahre von öffentlichen Aufträgen ausgeschlossen werden.
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03 Ablauf
Roboterhersteller aus China in die Risikoanalyse aufnehmen.
Anlassbezogene Risikoanalyse
Ein neuer Lieferant oder ein neues Produkt kann eine wesentlich veränderte Risikolage sein. § 5 Abs. 4 LkSG verlangt dann eine Risikoanalyse auch außerhalb des Jahreszyklus.
Lieferkette des Roboters verstehen
Ein Humanoider besteht aus Antrieben, Getrieben, Sensoren, Rechnern und Akkus. Fragen Sie nach den wichtigsten Vorlieferanten, vor allem bei Batteriezellen, Elektronik und Metallteilen.
Vertragliche Zusicherungen
Nach § 6 Abs. 4 LkSG gehören vertragliche Zusicherungen zu Menschenrechts- und Umweltstandards zu den Präventionsmaßnahmen. Nehmen Sie den Verhaltenskodex des Konzerns in den Rahmenvertrag auf, einschließlich Kontrollrechten.
Kontrollen vereinbaren
Audits beim Hersteller, Selbstauskünfte, Zertifikate, Fotos und Besuche. Eine Werksbesichtigung im Rahmen der Werksabnahme lässt sich damit verbinden.
Mittelbare Zulieferer
Liegen tatsächliche Anhaltspunkte für Verstöße bei Vorlieferanten vor, greift § 9 Abs. 3 LkSG: anlassbezogene Analyse, Prävention beim Verursacher, Konzept zur Beendigung.
Dokumentieren
Alle Schritte in der Lieferantenakte festhalten. Das stützt LkSG, künftige CSDDD-Pflichten und Nachweise nach der Zwangsarbeitsverordnung.
04 Zwangsarbeit
EU-Zwangsarbeitsverordnung ab 2027: Folgen für Roboterimporte.
Die Verordnung (EU) 2024/3015 verbietet ab dem 14. Dezember 2027, Produkte in der EU in Verkehr zu bringen, bereitzustellen oder auszuführen, die ganz oder teilweise in Zwangsarbeit hergestellt wurden. Anders als das LkSG gilt sie für alle Wirtschaftsakteure, unabhängig von ihrer Größe, und sie setzt am Produkt an. Behörden können das Inverkehrbringen untersagen und die Entsorgung eines Produkts anordnen.
Für Roboter heißt das: Auch ein Vorprodukt kann das ganze Gerät betreffen. Die Verordnung erfasst ausdrücklich auch staatlich auferlegte Zwangsarbeit. Die Kommission baut nach Art. 8 eine Datenbank zu Zwangsarbeitsrisiken in bestimmten Regionen und Produktgruppen auf. Diese Datenbank sollte Ihr Einkauf ab Verfügbarkeit in die Lieferantenbewertung einbeziehen.
Für die CSDDD ist im Oktober 2026 noch offen, wie Deutschland sie umsetzt und wie das LkSG danach aussieht. Für Großunternehmen ändert sich an der Richtung wenig: Lieferanten aus Hochrisikoländern brauchen eine dokumentierte Prüfung.
05 Praxis
Lieferantenakte für Roboter aus China: Mindestinhalt.
- Gesellschaftsdaten des Herstellers mit Unified Social Credit Code, Eigentümerstruktur und Produktionsstandorten.
- Selbstauskunft zu Menschenrechts- und Umweltstandards, unterschrieben, mit Benennung der wichtigsten Vorlieferanten.
- Unterzeichneter Verhaltenskodex des Konzerns oder gleichwertige Zusicherung im Rahmenvertrag.
- Auditbericht oder Bericht einer Werksbesichtigung, mit Datum und Prüfer.
- Ergebnis des Sanktionslisten-Screenings und der Risikoanalyse nach § 5 LkSG.
- Kontakt für das Beschwerdeverfahren nach § 8 LkSG und Nachweis, dass Beschäftigte des Lieferanten davon wissen.
- PhoenixOne vermittelt über den direkten Kontakt zu Herstellern in Shanghai, fordert Selbstauskünfte und Unterlagen an und organisiert Termine für Besuche. Die Bewertung bleibt bei Ihrer Compliance-Abteilung.
06 Fragen
Häufige Fragen kurz beantwortet.
Gilt das Lieferkettengesetz für den Kauf von Robotern aus China?
Ja, wenn Ihr Unternehmen in den Anwendungsbereich fällt, also in der Regel mindestens 1.000 Arbeitnehmer im Inland beschäftigt. Der Roboterhersteller wird dann unmittelbarer Zulieferer. Sie müssen ihn in die Risikoanalyse nach § 5 LkSG aufnehmen und angemessene Präventionsmaßnahmen nach § 6 treffen, etwa vertragliche Zusicherungen und Kontrollen.
Ist die LkSG-Berichtspflicht abgeschafft?
Die Bundesregierung will die Berichtspflicht streichen, das BAFA prüft Berichte seit Herbst 2025 nicht mehr. Ein verkündetes Änderungsgesetz konnten wir bis Anfang Oktober 2026 nicht feststellen. Die übrigen Sorgfaltspflichten wie Risikoanalyse, Prävention und Dokumentation gelten unverändert. Prüfen Sie den Stand vor Entscheidungen bei BAFA oder im Bundesgesetzblatt.
Ab wann gilt die CSDDD für deutsche Konzerne?
Nach der Änderung durch die Richtlinie (EU) 2026/470 müssen die Mitgliedstaaten die CSDDD bis zum 26. Juli 2028 umsetzen und ab dem 26. Juli 2029 anwenden. Erfasst sind Unternehmen mit mehr als 5.000 Beschäftigten und mehr als 1,5 Mrd. Euro weltweitem Nettoumsatz. Die deutsche Umsetzung steht Stand Oktober 2026 noch aus.
Was regelt die EU-Zwangsarbeitsverordnung?
Die Verordnung (EU) 2024/3015 verbietet ab dem 14. Dezember 2027, Produkte aus Zwangsarbeit in der EU in Verkehr zu bringen, bereitzustellen oder auszuführen. Sie gilt für alle Unternehmen unabhängig von der Größe. Behörden können betroffene Produkte vom Markt nehmen lassen. Für importierte Roboter zählen auch Vorprodukte wie Akkus oder Elektronik.
Welche Unterlagen sollte ein Roboterhersteller aus China für das LkSG liefern?
Sinnvoll sind Gesellschaftsdaten, eine unterschriebene Selbstauskunft zu Menschenrechts- und Umweltstandards, die wichtigsten Vorlieferanten, ein unterzeichneter Verhaltenskodex und ein Auditbericht. Hinzu kommen Kontrollrechte im Rahmenvertrag. Das LkSG schreibt keine feste Liste vor, verlangt aber angemessene und dokumentierte Maßnahmen. Halten Sie alles in der Lieferantenakte fest.
Quellen · Stand Oktober 2026
- Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz, §§ 1, 5, 6, 9, 10, 22, 24
- Bundesregierung: Berichtspflichten entfallen (Kabinettsbeschluss September 2025)
- Deutscher Bundestag: Vorlagen zum Lieferkettengesetz debattiert (Januar 2026)
- BAFA: Lieferketten
- Richtlinie (EU) 2026/470 (Omnibus I), Änderung der Richtlinie (EU) 2024/1760
- Verordnung (EU) 2024/3015 (Zwangsarbeitsverordnung), Art. 3, 8, 39
Allgemeine Information, keine Rechts-, Steuer- oder Zollberatung. Maßgeblich sind die jeweiligen Rechtstexte und Bescheide.
07 Weiter
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